Donnerstag, November 24

# 37


"Die Feuerwehr in Hamburg musste am Dienstagabend mit Hilfe eines Krans eine 330 Kilogramm schwere Frau aus ihrer Wohnung retten."

Ich lese es noch mal. Und nochmal. 330. Ich versuche, es mir vorzustellen. Es geht nicht. Ich rechne nach. Mehr als 6 mal so viel wie ich wiege. Ich versuche nochmal, es mir vorzustellen. Es geht immer noch nicht.
Mein Kopf meldet sich.
"Geh zum Spiegel, dann kannst du's dir vielleicht besser vorstellen." 
      'Aber, aber das stimmt doch gar nicht. Ich wiege nicht mal annähernd so viel.'
"Vielleicht nicht, noch nicht. So wie du dich gehen lässt, dauert das nicht mehr lange."
      'Aber...'
"Kein aber. Sieh dich an. Wenn du isst, isst du nicht mehr. Du frisst wahllos alles, was du in die Hände bekommst. Du frisst, selbst wenn du keinen Hunger mehr hast. Du frisst, bis dir so schlecht ist, dass du fast kotzen musst. Aber nein, nicht mal das tust du. Du kotzt nicht, du machst keinen Sport. Du frisst nur. "
      'Ich hab im Moment keine Zeit für Sport. Und wenn mein Magen so laut knurrt muss ich ja wohl essen. Der knurrt in der Schule manchmal so laut, dass der ganze Kurs das hört!'
"Keine Zeit, dass ich nicht lache. Nur Ausreden sind das. Hast du etwa dein Ziel vergessen?!"
      'Nein, natürlich nicht.'
"Und wie willst du das schaffen? Du wirst immer fetter, statt dünner! Und das obwohl du an Weihnachten 50Kg wiegen sollst! Das war dein Ziel, die Belohnung dafür die Kamera. Die bekommst du, ist wahrscheinlich schon gekauft. Als ob du dein Ziel erreichst, wenn du so weiter machst!"
      'Ich schaff das schon... irgendwie.'
"Haha. Ja. Irgendwie. Ist klar. Schnipp mal mit den Fingern, vielleicht wirst du ja durch ein Wunder auf einmal dünn. Nein? Tja. Dann frag dich mal warum!"
      'Ich... ich....'
"Ja? Du...? Hast nichts mehr zu deiner Verteidigung zu sagen, was? Weil du es nämlich weißt. Du weißt, dass du es nicht schaffen wirst. Du schaffst es nicht, wirst es niemals schaffen. Du bist ein Versager, der nichts hin bekommt. Niemals. Du kannst einfach gar nichts. Nichts. Nichts. Nichts."

Du schaffst es nicht. 
Ich habe das Gefühl, dass etwas in mir in tausend Scherben springt. 
Da liegt sie, meine Hoffnung. Ein Puzzle, das scheinbar niemals wieder ganz wird.






Dienstag, November 22

# 36

Es tut mir Leid, dass man in letzter Zeit nichts mehr vor mir gehört hat. 
Ich weiß einfach nicht, was ich schreiben soll. Ich stehe morgens total übermüdet auf, mache mich fertig und gehe zur Schule. Da schreib ich Tests, Klausuren, muss Referate halten, mich um meine SoMi[Sonstige Mitarbeit] Note kümmern. Montags übe ich zusätzlich für die DELF-Prüfung, da komm ich erst um 5 aus der Schule, sonst um 4. Wenn ich zu Hause bin ruh ich mich kurz aus, dann geht's weiter. Ich muss mit dem Hund raus gehen, hab Training oder unternehme mal ausnahmsweise was mit meinen Freunden. Dann gibt's Abendessen. Irgendwann um 7 fange ich dann an, mache meine Hausaufgaben, bereite mich auf die Stunden am nächsten Tag vor, lerne für die Tests und Klausuren, bereite meine Referate vor. Bis ich irgendwann abends todmüde ins Bett falle, nur damit alles am nächsten Tag von vorne beginnt.
Mein Kopf ist leer, ich weiß nicht mehr was ich schreiben soll. Der graue Alltag entfärbt meine Gedanken, gibt mir keine Zeit auch nur einmal stehen zu bleiben und Luft zu holen. 


Heute hab ich die letzte Klausur in dieser 'Klausurphase' geschrieben. Am 5.12. geht's weiter mit Bio und was-weiß-ich-nicht-was-noch. Vielleicht gibt's dann bald wieder mehr von mir zu lesen...

Freitag, November 18

# 35

"Weiß einer von euch, was ein Elfchen ist?"
Der ganze Kurs sieht unseren Deutschlehrer an; einige nicken, andere diskutieren darüber, was das denn nochmal ist.
"Ich werde euch jetzt einen Zettel austeilen, auf dem steht, wie ein Elfchen aufgebaut ist und dann möchte ich, dass ihr alle mal 2 oder 3 schreibt."
'Oh Gott.' denke ich. 'Klar, das ist jetzt nicht so viel, aber ein Gedicht? Sowas kann ich einfach nicht!'
Hilft nichts. Augen zu und durch. Die Wörter kommen, wenn man anfängt zu schreiben.










Donnerstag, November 17

# 34


Liebes Christkind,
ich schreibe dir, weil ich Wünsche habe. Weihnachtswünsche. Ich erwarte nicht, dass du mir alle erfüllst. Ich weiß, dass das unmöglich ist. Aber es würde mich so unglaublich glücklich machen, wenn wenigstens ein paar davon wahr würden.
Weihnachten ist das Fest der Liebe. Darum wünsche ich mit, liebes Christkind, dass ich endlich anfange zu lieben. Dass ich mich verliebe. Nein, ich will nicht nur schwärmen und nach ein paar Wochen genug von ihm haben. Ich möchte bis über beide Ohren verknallt sein, eine rosarote Brille tragen, verrückt werden, wenn ich nicht bei ihm sein kann.
Außerdem wünsche ich mir, dass du den Menschen die Augen öffnest. Damit sie sehen, was für wundervolle Menschen sie sind. Damit sie den Selbsthass vergessen. Damit sie glücklich werden.
Des Weiteren bitte ich dich darum dafür zu sorgen, dass meine Freundschaften nicht noch einmal auseinander brechen. Ich brauche meine Mädels. Sie sind alles für mich, ohne sie würd' ich das Leben nicht überstehen.
Einen Wunsch hab ich noch. Nein, eigentlich habe ich noch ganz viele. Aber ich weiß, dass es überflüssig ist sich den Weltfrieden oder bessere Zustände in 3.Welt Ländern zu wünschen. Daran sind Menschen Schuld. An den Kriegen. Und an dem Hunger. Und das können nur Menschen ändern.  Wenn sich jeder dafür einsetzen würde, jeder ein bisschen, könnten wir gemeinsam die Welt verbessern. 
Aber soll ich dir etwas beichten, liebes Christkind? Ich habe den Glauben in die Menschheit verloren. Es wird kein Happy End mehr für diese Welt geben. Der Mensch wird sie restlos zerstören, bis sie nur noch als leuchtender Feuerball im Weltall ihre Kreise zieht und irgendwann verlischt. 
Nein, ich habe einen anderen Wunsch. Einen etwas egoistischen. Aber ich denke, dass man auch mal egoistisch sein darf und sogar muss.  Ich wünsche mir, dass ich einmal, wenigstens einmal, so richtig stolz auf mich sein kann. Dass meine Eltern stolz auf mich sind. Und meine Freunde auch. Aber hauptsächlich, dass ich mich selbst im Spiegel ansehen und sagen kann: "Mile, du hast etwas erreicht. Du bist etwas, du kannst etwas. Sei stolz auf dich."


Liebes Christkind, ich weiß du hast viel zu tun. Ich weiß, dass sich Millionen von Kindern etwas wünschen. Und ich weiß auch, dass es wichtigeres gibt, als meine unbedeutenden Wünsche. Aber bitte, lass wenigstens einen einzigen meiner Wünsche wahr werden. Bitte