Ich spüre seinen Atmen, warm und sacht, wie eine Feder. Er kitzelt meinen Hals, streicht durch meine Haare.
"Alles okay? Liegst du bequem?" flüstert er mir ins Ohr. Ich nicke und kuschel mich enger an seine Brust. Seine Hand wandert zu meiner Taille. Ich fühle, wie seine Finger über meine Rippen gleiten, über meine Hüften, über meinen Bauch. Ich dreh meinen Kopf zu ihm, mein Gesicht ist jetzt ganz nah an seinem. Er streicht mir eine Haarsträhne auf dem Gesicht. Zieht meinen Kopf noch näher an sich heran. Beugt sich ein Stückchen vor. Küsst mich. Lange.
"Ehh... du erinnerst dich aber dadran, dass du 'ne Freundin hast, oder?!" sage ich, als ich endlich meine Stimme wiedergefunden habe. Ich weiß, dass dieser Satz alles ist, außer passend, aber ich kann nicht anders.
Er macht keinen besonders betroffenen Eindruck als er mit leiser Stimme sagt: " Ohh, fuck! ... Würdest du es ihr erzählen?"
"Mhh. Nee, hätte ich ja keinen Grund zu.." antworte ich ihm und lege meinen Kopf wieder auf seine Brust. Ich kenne seine Freundin nicht. Aber verdient hat sie das bestimmt nicht.
Ich versinke in meinen Gedanken, seinen Herzschlag dröhnen in meinen Ohren. Ich bin verwirrt. Es ist nicht das erste mal, dass er das abzieht. Aber das erste Mal, dass er vergeben ist und mich küsst.
Ich hab keine Zeit mehr, darüber nach zu denken, will es auch eigentlich gar nicht. Warum auch immer, es ist eh jedes Mal das gleiche, immer wieder. Und ich habe es aufgegeben, mich zu wundern, mir Gedanken zu machen, mir Hoffungen zu machen, mich zu fragen, was das soll. Es ist einfach so. Er ist einfach so. Kopfzerbrechen bringt nichts, das weiß ich. Er will nichts von mir, außer jemanden zum rummachen. Ich will nichts von ihm. Alles gut, oder?
Nein. Ich bin wieder zuhause, über 500km von ihm weg. Und hier gibt's keinen, der mich in den Arm nimmt. Der mich fest hält. Der mich küsst.
Ich fühle mich alleine. Als wär ich auf einer einsamen Insel gestrandet.
